Geschichte der Lieferlisten


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Übersicht Lokomotivhersteller

Grundlage für viele Lieferlisten

Das heute zu fast allen deutschen Lokomotivherstellern ein Lieferverzeichnis existiert, ist besonders dem Dipl.-Ing. Bernhard Schmeiser zu verdanken. Bernhard Schmeiser hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg damit begonnen, die Lieferdaten von verschiedenen, auch zum Teil schon damals nicht mehr produzierenden, Lokfabriken zu sammeln. Neben den eigenen Recherchen und den guten Kontakten zu den Firmen hat Bernhard Schmeiser auch die Daten von anderen damaligen Pionieren der Lokhistorik zusammengetragen und sich mit diesen ausgetauscht. So war er Mitglied im 1946 von Friedrich Schadow gegründeten Arbeitskreis für Lokomotivgeschichte, dem u.a. Helmuth Bombe, Erhard Born, Kurt Ewald, Erich Metzeltin und Prof. Franz Gaiser angehörten.

Es entstand so bis Ende der 1950er Jahre seine umfangreiche Sammlung von maschinengeschriebenen Blättern, die Lokfabriken in Deutschland, aber auch im gesamten europäischen Raum, einschlossen. Das Bernhard Schmeisser sich dabei auf die Dampflok-Hersteller konzentrierte (so wurden die großen Hersteller von Diesellokomotiven wie Deutz, O&K Werk Nordhausen, DWK etc., nicht berücksichtig), schmälert die Leistung dabei keineswegs. Der Aufbau der Listen war immer weitgehend gleich, was letztendlich eine einmalige Sammlung ergab und heute eine unschätzbare Quelle für die Lokhistoriker darstellt.

Über die Person Bernhard Schmeiser selber ist leider nicht viel bekannt. Der 1893 geborene Bernhard Schmeiser war Baurat bzw. Dipl.-Ing. und als solcher ab 1945 Abteilungsleiter für die Abteilung Maschinenbau an der HTL Wiener Neustadt. 1954 wurde er zum Direktor dieser HTL ernannt, dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod am 24. September 1958 inne. Der umfangreiche Nachlass wurde von Franz Kraus übernommen, welcher die Listen weiterführte. Gleichzeit gab es einen Austausch der Listen mit anderen Eisenbahnfreunden, welche die Listen abschrieben (Fotokopien der Seiten waren auch in den 1960er und 1970er Jahren noch schwierig und kostspielig), so dass in dieser Zeit verschiedene maschinenschriftliche Abschriften der "Wiener Listen" entstanden und ebenfalls unabhängig fortgeführt wurden.

Das "digitale Zeitalter"

Allgemein zugänglich wurde dann ein Teil dieser Kopien in den 1980er Jahre, als die EMH (Eisenbahnteile und Metallwaren Handel Bude) Kopien von verschiendenen Lieferlisten anbot. Ein kleiner Kreis von Eisenbahnfreunden im Rheinland erwarb je eine Kopie dieser Listen und begann damit, diese erstmals auf PC digital zu erfassen. So sind es eigentlich gar nicht die "original Schmeiser-Listen", die als Grundlage der heutigen digitalen Lieferlisten dienten. Aber mittlerweile ist ein Abgleich mit den "Ur-Listen" möglich, denn die Lieferlisten aus dem Nachlass von Bernhard Schmeiser sind heute gescannt im Archiv des 2005 neu gegründeten Arbeitskreis Lokomotivgeschichte (www.ak-lok.org) digital hinterlegt.

Mit dem Aufkommen des PC Mitte der 1980er und in den 1990er Jahren wurden auch die Lücken geschlossen, welche es bis dahin noch bei den Motorlokomotiv-Herstellern gab. Dazu haben verschiedene Eisenbahnfreunde (u.a. Ulrich Völz, Andreas Christopher, Dietmar Stresow; Martin Schiffmann, Stefan Lauscher, Jens Merte, Peter Ziegenfuß, Ingo Hütter) die Archive der noch fehlenden Firmen besucht und die Unterlagen digitalisiert (sprich abgetippt). So sind heute fast alle bekannten Lieferunterlagen als Datei erfasst und für alle Eisenbahnfreunde auf CD zugänglich - mit zwei Ausnahmen: Siemens und Gmeinder, bei denen seit Jahren an einer Veröffentlichung gearbeitet wird. Unabhängig davon liegen die Lieferungen mittlerweile auch vor, sind aber noch nicht veröffentlicht. Zu welchen Firmen es bisher schon eine Veröffentlichung inklusive der Lieferdaten gab, ist im folgenden chronologisch aufgelistet.

Lieferlisten-Veröffentlichungen:

 


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© Jens Merte